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Gute Gründe, nackt zu schlafen

In heißen Nächten ist es verlockend, unbekleidet zu schlafen. Angeblich macht es sogar schön und fördert die Gesundheit. Schlafmediziner sehen das nicht ganz so positiv
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 15.10.2016

Eigentlich ist es das Natürlichste der Welt. Und es soll Wohlbefinden, Gesundheit und Schönheit zuträglich sein, sich nachts hüllenlos auf der Matratze zu räkeln - wenn man einschlägigen Illustrierten glaubt. Erfahrene Nacktschläfer schwärmen von dem wunderbaren Körpergefühl, ein kühles Laken oder ein laues Lüftchen auf der Haut zu spüren. Aber was sagen Schlafforscher dazu? Grundsätzlich findet Professor Thomas Penzel, das jeder sich so betten solle, wie es für ihn am angenehmsten ist. "Kleidung, die zwickt oder reibt, kann man getrost aussortieren." Allerdings rät der wissenschaftliche Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité in Berlin, sich wenigstens mit einem Leinentuch zu bedecken und das Risiko einer Unterkühlung nicht zu unterschätzen.

Kein Kälteempfinden im REM-Schlaf

Zwar soll zum Einschlafen die Körperkerntemperatur zunächst einmal um ungefähr ein Grad sinken, erklärt Penzel. Deshalb ist es günstig, das Schlafzimmer etwas kühler zu halten, sodass die Körperwärme vom Körperkern über Arme und Beine weggeleitet und abgegeben werden kann. Der Schlafende sollte allerdings nicht nachhelfen, indem er kühlende Luft direkt über seine Haut streichen lässt – sei es durch Klimaanlage, Ventilator, Föhn oder ein offenes Fenster. Das kann im Lauf der Nacht den Körper zu stark auskühlen. "In einer bestimmten Schlafphase, dem sogenannten REM-Schlaf, fallen die Reflexe des Körpers zur Regulierung der Körperwärme aus", so Penzel. In dieser Phase kann sich der Schlafende also unterkühlen oder überhitzen, ohne als Reaktion die Decke wegzustrampeln oder herbeizuziehen. "Wer trotzdem auf einen Ventilator im Schlafzimmer besteht, soll ihn in eine andere Zimmerecke richten, damit nur indirekt ein Luftzug ankommt."

Nackt schlafen heißt: Öfter Bett beziehen

Bleibt der Pyjama im Kleiderschrank, kann er auch nicht den Schweiß des Schlafenden auffangen. Umso mehr Körperflüssigkeit landet im Laken. Deshalb ist es nötig, öfter die Bezüge zu waschen. Umfragen zeigen allerdings, dass Deutsche im Vergleich zu anderen Ländern eher selten die Bettwäsche wechseln. 40 Prozent der Befragten tauschen nur alle drei Wochen oder später den Bezug aus. "Beim Nacktschlafen kann es aber zweimal die Woche oder noch öfter erforderlich sein", sagt Penzel. Dementsprechend fällt mehr Wäsche im Haushalt an – ungünstig für die Umwelt.

Kein schnelleres Abnehmen

Nimmt man als Ausgleich für den Aufwand wenigstens leichter ab, weil der Körper mehr Wärme produzieren muss? Penzel winkt ab: "Bei einem gesunden, tiefen Schlaf fährt der Körper nachts sowieso seinen Stoffwechsel zurück. Da kann ich mir keinen großen Effekt vorstellen." Zwar wiegt man am Morgen nach dem Aufstehen in der Regel ein halbes bis eineinhalb Kilo weniger als noch am Abend. Die Gewichtsabnahme erklärt sich aber vor allem durch den nächtlichen Flüssigkeitsverlust. "Verstärkt im Schlaf abzunehmen kommt eher bei Fieber oder anderen Erkrankungen vor", ergänzt der Experte.

Günstig für die Beziehung?

Zumindest liefert eine englische Umfrage mit über 1000 Befragten ein gutes Argument, sich zu zweit hüllenlos ins Bett zu kuscheln: Demnach gaben 57 Prozent der Nacktschläfer an, eine glückliche Beziehung zu führen. Bei allen anderen Kleidungsstilen sagten das weniger als die Hälfte der Menschen, bei Benutzern von Schlafoveralls waren es sogar nur 38 Prozent.


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